Wenn man schon eine längere Zeit mit seinem Partner zusammen ist, dann denken Manche irgendwann vielleicht über das Heiraten nach oder darüber wie es wäre eine eigene kleine Familie zu haben oder aber auch über beides.
Wenn man dann den Entschluss gefasst hat zu heiraten und Nachwuchs zu bekommen, hibbelt man unweigerlich auf die Hochzeit hin. Man malt sich den Tag aus, wie werde ich aussehen, wie wird er aussehen, läuft alles so wie wir es uns wünschen? Man organisiert alles, so gut es halt geht. Dann ist der große Tag auch schon da und es verläuft alles mal mehr und mal weniger nach Plan und so schnell wie der Tag gekommen ist, so schnell ist er auch schon wieder vorbei.
Man ist also Mann und Frau. Und Jetzt?
Manche Paare entschließen sich jetzt vielleicht erstmal weiterhin für die Karriere, sparen Geld an, bauen ein Haus und dann kommt irgendwann der Nachwuchs. Andere entscheiden sich erst für den Nachwuchs und stellen den Rest hinten an.
Und bei uns?
Ich habe meinen Mann kennen und lieben gelernt als ich knapp 17 1/2 Jahre alt war, manche würden sagen, ich wäre ein echter Spätzünder gewesen. Ich hatte schon immer die Vorstellung davon, dass ich mit meinem ersten richtigen festen Freund alt und vorallem glücklich alt werden will.
Ich wusste, dass das wahrscheinlich nicht besonders realitätsfreundlich ist, aber so ist das halt.
Nach nur einem knappen halben Jahr fragte er mich an meinem 18. Geburtstag ob ich ihn heiraten möchte und ich habe Ja gesagt.
Danach waren wir erstmal viele Jahre verlobt, sind zusammen gezogen und haben viele höhen und tiefen miteinander erlebt. All das hat uns immer fester zusammen geschweißt.
Als ich in 2013 meine Ausbildung begonnen habe, haben wir beschlossen, dass wir nach der Ausbildung endlich heiraten wollen.
Warum erst so spät?
Ich wollte zeigen, dass ich die Ausbildung durchziehe, wollte mir selbst die Chance geben Geld verdienen zu können und zwar mehr als "nur" bei einem Minijob oder als ungelernte Kraft.
Ich bestand meine Ausbildung mit 1,3 und dass obwohl mich eine Bandscheiben OP fast das komplette letzte halbe Jahr vor der Prüfung aus der Schule riss und ich "auf mich selbst" gestellt war. Allein meine guten Vornoten ermöglichten es mir überhaupt an der Prüfung teilzunehmen.
Nach der Prüfung war ich wie befreit und bewarb mich wie eine Irre überall dort, wo ich dachte, dass ich nun mit meiner Ausbildung gute Chancen haben sollte.
Parallel planten wir unsere Hochzeit. Und da war ein Gefühl in mir, ich hatte Angst. Angst vor der Hochzeit, Angst vor dem gebunden sein. Warum wusste ich nicht, denn schließlich wollte ich den Mann heiraten, den ich über alles Liebe und mit dem ich eine Familie gründen will. Die Hochzeit kam immer näher, aber ein Job rutschte in immer weitere Fferne. Absagen über Absagen. Wir sprachen darüber, was passiert, wenn ich nach der Hochzeit immer noch keinen Job finde. Ich war nervös, nervös wegen der Hochzeit aber auch wegen den vielen Absagen. Ich wollte doch auch endlich Geld verdienen und nicht meinem zukünftigen Mann immer weiter auf der Tasche liegen.
Mein Mann sprach mir Mut zu, wenn die richtige Stelle da ist, dann bekomme ich den Job und ansonsten konzentrieren wir uns auf unsere Familie. Warum auch nicht, Generationen vor uns hatten ja auch eine Rollenteilung.
Tatsächlich kam es dann, dass ich eine Stellenanzeige für den Job in meinem Wunschbetrieb fand und ich bewarb mich noch am selben Tag. So leicht ist mir noch nie auch nur eine einzige Bewerbung gefallen. Ich war mir fast schon sicher, dass kann nur klappen, dass muss doch ein Zeichen sein. Schnell bekam ich eine Antwort, ich müsse mich noch gedulden. Ich geduldete mich und wer mich kennt weiß, Geduld ist nicht gerade meine große Stärke. Ich weiß nicht genau wann vor der Hochzeit der eine Wendepunkt kam, aber irgendwann war ich nicht mehr Nervös, weder wegen der Hochzeit noch wegen des Jobs. Ich freute mich endlich darauf verheiratet zu sein und das wiederum freute meinen Mann. Kurz vor der Hochzeit war es dann auch soweit, dass ich ein neues Pillenrezept brauchte. Ich besprach mit meinem Zukünftigen, für wie viele Monate ich sie mir denn noch verschreiben lassen sollte. 1 Monat, 3 Monate oder 6 Monate? Wir entschieden uns für die 3 Monatspackung. Sollte es bis dahin mit dem Job klappen, könnte ich mir dann ja immernoch ein neues Rezept holen und wenn nicht, dann sollte es so sein.
Unser Hochzeitstag kam, ich freute mich, war frisch und ausgeschlafen und mir ging es gut. So gut wie schon lange nicht mehr.
Ich freute mich als mein Mann mich abholte und sprachlos war weil er mich so schön fand, ich konnte mich kaum darüber ärgern, dass mein Kleid ,trotz des vielen Futterns in der Woche vor der Hochzeit, zu groß war und rutschte. Ich freute mich einfach nur darauf kurze Zeit später endlich SEINE Frau zu sein. Der ganze Tag war toll, nicht perfekt denn natürlich gab es auch bei uns die ein oder andere Panne aber perfekt ist ja auch irgendwie langweilig. Aber trotzdem ging es mir plötzlich wieder schlecht. Da war sie wieder die ungeduld wegen des Jobs. Von jetzt auf gleich war die Vorfreude, die mich die ungeduld vergessen ließ, weg, denn schließlich war der große Tag ja nun vorbei. Aber mein Mann fing mich auf und erinnerte mich daran, dass wenn ich den Job bekommen soll, ich ihn auch bekomme.
Kurz bevor der letzte Blister meiner Pille leer war, kam dann eine Absage für den Job. Es war klar, dass für uns jetzt die Familienplanung vorrang hat und trotzdem schaue ich auch heute noch alle 2-3 Tage nach neuen Stellenangeboten.
Die letzte Pille kam und mit ihr die Hoffnung, dass mein Körper die Umstellung schnell schafft. Und mit ihr die Ungewissheit ob meine Eierstöcke nach zwei Zysten-Ops (5x9 cm und 5x5 cm Zysten) überhaupt ihre Arbeit noch normal ausführen können. Im Hinterkopf immer die Worte der Ärztin nach der ersten OP "Ihre Eierstöcke sehen nicht so schön aus, sie sollten sich nicht zu viel Zeit mit dem Kinderwunsch lassen". Aber auch immer die Worte meiner Mama und meines Mannes: " Wenn es klappen soll, dann klappt es".
Der erste Zyklus nach Pillenende... ich hatte immer einen 27 Tage Zyklus mit der Pille, meine Blutung kam fast immer Minuten genau und war von einer 1-2 Tage dauernden Blutung ohne große Schmerzen total verwöhnt. Der erste Zyklus war gleich erstmal 30 Tage lang und ich hatte schon die Hoffnung, dass es vielleicht gleich im ersten Zyklus geklappt haben könnte mit dem Nachwuchs auch wenn 3 Schwangerschaftstest das Gegenteil sagten. Meine Brüste spannten und mein Unterleib fühlte sich an als ob da jemand Samba tanzt...das war völlig neu für mich. Klar ich hatte die Pille 9 Jahre lang jeden Tag schön brav eingeworfen und der letzte natürlicher Zyklus war so natürlich auch schon 9 Jahre her...aber ich kann mich nicht erinnern, dass ich in den 4 1/2 Jahren vor der Pille je solche "Symptome" einer PMS hatte.
Die erste Blutung nach der Pille war gelinde gesagt die Hölle. Ich lag 5 Tage mit Krämpfen, mal mehr mal weniger heulend auf der Couch und fühlte mich ehlend. Es hätte nur noch gefehlt, dass ich Feuer speihe, dann wäre ich der perfekte Drache gewesen. Gott was tat mir mein Mann leid. Aber zum Glück geht ja jeder Spuk auch mal vorbei.
Nun sitze ich hier ... Tag 33 im zweiten Zyklus ohne Pille und frage mich, wie lang denn nun diesmal mein Zyklus wird.
Mir ist seit fast einer Woche mal mehr mal weniger übel, gestern hatte ich mal ein wenig Fieber und heute Rückenschmerzen, meine Brüste spannen schon seit zwei Wochen, von meinen Stimmungsschwankungen will ich garnicht erst reden...ich fühle mich wie beim Russisch Roulette oder beim Lotto spielen. Schwanger bin ich nicht, dass haben mir zwei Tests bereits verraten und ich hoffe jeden Tag darauf, dass der Zyklus endlich zu Ende ist und Nummer 3 anfängt. Ich setze mich wahrscheinlich selbst viel zu sehr unter Druck auch wenn ich mir immer wieder sage, dass es einfach dauern kann, bis alles wieder "normal" funktioniert.
Und vielleicht ist der richtige Zeitpunkt auch noch nicht da, denn schließlich wollen wir meinem Vater demnächst das Haus, in dem wir schon seit Jahren leben, abkaufen und renovieren...ok fast sanieren. und alle die von unserem Kinderwunsch wissen sagen, dass es Schwanger auf einer so großen Baustelle noch schwerer wird als es eh schon ist. Ich weiß sie haben recht. Aber wenn es so kommen sollte, dann ist es so und dann werden wir damit schon zurecht kommen.
Bis es soweit ist, kann ich nur das tun was in meiner Macht steht, um meinen Körper so gut es geht zu unterstützen. Wenig Koffein, kein Alkohol (oder sehr sehr sehr wenig), gesund und abwechslungsreich Essen, viel Bewegung (ok ist noch steigerbar), ein paar Kilos verlieren (bin ich ja eh dabei aber so leicht wie man sich das verstellt ist es ja leider nicht) und mich zusätzlich mit Eisen und Folsäure versorgen.
Wann es dann mit dem Nachwuchs klappt, davon müssen wir uns wohl oder übel überraschen lassen, bis dahin genießen wir einfach weiterhin unser Leben zu Zweit ♥
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